Hund frisst Kot
Wenn dein Hund Kot frisst, ist das in den allermeisten Fällen kein Krankheitszeichen, sondern ein Verhalten, das er von seinen Vorfahren geerbt hat. Die bislang größte Untersuchung dazu fand bei 16 % der Hunde häufiges Kotfressen und keinen Zusammenhang zur Ernährung. Trotzdem lohnt sich der Blick auf die Verdauung, denn es gibt medizinische Ursachen, die man nicht übersehen darf.
Als Tierärztin begegnet mir das Phänomen, dass ein Hund Kot frisst, in meiner Praxis erstaunlich häufig. Viele Hundebesitzer sind verständlicherweise besorgt und suchen nach Lösungen für dieses unappetitliche Verhalten. In diesem Artikel erfährst du alles, was du über Koprophagie, so der Fachbegriff, wissen musst, und was beim Abgewöhnen realistisch hilft.
Das Wichtigste zusammengefasst:
- Häufigkeit: In der Untersuchung von Hart und Kolleginnen fraßen 16 % der Hunde häufig Kot, definiert als mindestens sechsmal beobachtet.
- Der Mangel-Mythos: In derselben Untersuchung fand sich kein Zusammenhang zwischen Kotfressen und der Ernährung. Ein Nährstoffmangel ist also selten die Erklärung.
- Wahrscheinlichste Erklärung: ein vom Wolf geerbtes Verhalten zur Parasitenvermeidung. 85 % des gefressenen Kots war nicht älter als zwei Tage, also genau so frisch, dass Wurmeier noch nicht infektiös sind.
- Medizinisch relevant wird es, wenn ein erwachsener Hund plötzlich damit anfängt oder wenn Gewichtsverlust, Durchfall oder Heißhunger dazukommen.
- Fremdkot ist riskanter als eigener Kot, weil damit Würmer, Giardien und Bakterien übertragen werden können.
- Ernüchternd, aber ehrlich: Futterzusätze zum Vergällen hatten in der Untersuchung eine Erfolgsquote von 0 bis 2 %, Verhaltensmaßnahmen von 1 bis 4 %.
- Was wirklich hilft: Management. Kot sofort entfernen, Katzenklo unzugänglich machen, an der Leine früh ablenken.
Warum frisst mein Hund Kot?
Die Gründe, warum ein Hund Kot frisst, können vielfältig sein. Besonders wichtig ist es, zwischen normalen Verhaltensweisen und möglichen gesundheitlichen Problemen zu unterscheiden. Bei den meisten Hunden steckt kein Defekt dahinter, sondern ein altes Verhaltensprogramm. Bei einer Minderheit ist es tatsächlich ein Symptom.
Instinktives Verhalten und die Parasiten-Hypothese
Evolutionär bedingt zeigen Hunde manchmal noch Verhaltensweisen ihrer wilden Vorfahren. Die Forschungsgruppe um Hart an der University of California Davis hat dazu die überzeugendste Erklärung geliefert: Wölfe halten ihren Ruheplatz sauber, indem sie frischen Kot beseitigen, und zwar bevor sich darin infektiöse Larven entwickeln können.
Genau das passt zu den Daten: 85 % des gefressenen Kots war in der Untersuchung nicht älter als zwei Tage. Und das ist kein Zufall. Spulwurmeier werden zwar mit dem Kot ausgeschieden, sind laut ESCCAP zunächst aber gar nicht infektiös. Erst wenn sich nach einigen Wochen im Ei eine infektiöse Drittlarve gebildet hat, wird das Ei gefährlich. Frischen Kot wegzuräumen ist aus Sicht des Rudels also Hygiene, kein Fehlverhalten.
Der Mangel-Mythos: Welcher Mangel steckt dahinter?
Die häufigste Vermutung von Halterinnen und Haltern lautet: Meinem Hund fehlt etwas. Die Datenlage stützt das nicht. In der Untersuchung von Hart und Kolleginnen fand sich kein Zusammenhang zwischen Kotfressen und der Ernährung der Hunde und auch keiner zum Alter. Kotfressende Hunde wurden allerdings häufiger als besonders gierige Fresser beschrieben als andere Hunde.
Das heißt nicht, dass die Fütterung egal ist. Es heißt, dass ein pauschaler Vitamin- oder Mineralstoffmangel als Erklärung fast immer zu kurz greift, und dass Nahrungsergänzungsmittel auf Verdacht selten etwas ändern. Was dagegen tatsächlich zählt, ist die Verdaulichkeit: Unzureichend verdaute Nahrung enthält noch verwertbare Nährstoffe, die für deinen Hund attraktiv sein können.
Verdauungsprobleme und Erkrankungen
Es gibt eine kleine, aber wichtige Gruppe von Hunden, bei denen Kotfressen ein medizinisches Signal ist. Dazu zählen eine Bauchspeicheldrüsenschwäche mit ungenügender Enzymproduktion, chronische Darmerkrankungen mit gestörter Nährstoffaufnahme, ein starker Wurmbefall sowie Erkrankungen, die mit gesteigertem Appetit einhergehen. Typisch für diese Gruppe ist, dass zusätzlich zum Kotfressen etwas anderes auffällt: großvolumiger, heller Kot, Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, wiederkehrender Durchfall.
Auch bestimmte Medikamente, allen voran Kortison, steigern den Appetit so deutlich, dass Hunde plötzlich Dinge fressen, die sie vorher ignoriert haben.
Stress, Langeweile und Aufmerksamkeit
Psychologische Faktoren spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Unterforderung, Stress oder Angst können zu diesem unerwünschten Verhalten führen. Und es gibt einen Sonderfall, der oft übersehen wird: Wenn du bisher jedes Mal laut geworden bist und quer durch den Garten gerannt kamst, hat dein Hund gelernt, dass Kotfressen sehr zuverlässig Aufmerksamkeit erzeugt. Bei manchen Hunden ist genau das der Grund, warum das Verhalten bleibt.
Wenn der Hund seinen eigenen Kot frisst
Frisst dein Hund seinen eigenen Kot, ist das aus tiermedizinischer Sicht die harmloseste Variante. Parasiten, die er selbst ausscheidet, hat er ohnehin schon, und frischer Kot enthält noch keine infektiösen Wurmlarven. Unappetitlich bleibt es trotzdem, und abgewöhnen darfst du es ihm selbstverständlich.
Besonders häufig passiert das im eigenen Garten, wo der Kot liegen bleibt und in Ruhe untersucht werden kann. Der wirksamste Hebel ist deshalb banal und trotzdem der einzige, der zuverlässig funktioniert: Halte deinen Garten sauber und entferne Kot sofort, um die Versuchung zu minimieren. Wer das drei Wochen konsequent durchhält, hat bei vielen Hunden das Verhalten allein dadurch abgebaut.
Wichtig ist die Abgrenzung: Ein Hund, der seinen Kot seit jeher gelegentlich frisst, ist ein Gewohnheitsfall. Ein erwachsener Hund, der plötzlich damit anfängt, gehört untersucht.
Verdaulichkeit fängt beim Futter an
Welches Futter passt zu deinem Hund?
Je besser ein Futter verdaut wird, desto weniger Verwertbares bleibt im Kot. Finde in 2 Minuten heraus, welche Rezeptur zu Rasse, Alter und Gewicht deines Hundes passt.
Jetzt Quiz startenHund frisst Katzenkot: warum ausgerechnet das?
Katzenkot ist für Hunde besonders attraktiv, und dafür gibt es einen einfachen Grund: Katzenfutter ist deutlich proteinreicher als Hundefutter, und entsprechend eiweißreich ist auch der Kot. Für die Nase eines Hundes riecht das Katzenklo nicht nach Abfall, sondern nach Futter. Das ist kein Erziehungsproblem, sondern schlicht Chemie.
Riskant ist es trotzdem, denn Katzen können Giardien ausscheiden. Laut ESCCAP scheiden infizierte Katzen die sogenannten Zysten jederzeit über den Kot aus und verunreinigen damit die direkte Umgebung. Die Zysten bleiben im Kot rund eine Woche lang ansteckend, in feuchter Umgebung sogar bis zu drei Monate. Ein Hund, der regelmäßig das Katzenklo plündert, holt sich also früher oder später etwas.
Was im Haushalt mit Katze wirklich hilft
- Katzenklo erhöht aufstellen, auf einer Waschmaschine oder einem Regal, wo der Hund nicht hinkommt.
- Katzenklappe oder Türspalt-Stopper: ein Raum, in den nur die Katze passt, löst das Problem dauerhaft.
- Haubentoiletten mit Eingang hinten funktionieren bei kleinen Hunden, bei großen selten.
- Sofort reinigen, am besten mehrmals täglich. Katzen danken es dir ohnehin.
- Im Garten: Sandkästen und Beete abdecken, in denen Nachbarskatzen sich lösen.
Pferdeäpfel, Hasenkot, Hühnerkot und Wildkot
Kot von Pflanzenfressern ist für Hunde interessant, weil er unverdaute Pflanzenreste und Darmbakterien enthält. Pferdeäpfel, Hasen- und Kaninchenköttel sowie Kuhfladen gehören zu den häufigsten Fundstücken auf dem Spaziergang. Gesundheitlich ist das eine andere Kategorie als der eigene Kot: Hier kommen fremde Parasiten und Erreger ins Spiel.
- Pferdeäpfel: das größte Risiko sind Rückstände von Entwurmungsmitteln, die dem Pferd kurz zuvor gegeben wurden. Manche Wirkstoffe sind für Hunde schlecht verträglich, besonders für Hütehunde mit MDR1-Defekt.
- Hasen- und Kaninchenkot: Überträger von Kokzidien und, je nach Region, von Erregern wie Tularämie. Zusätzlich schlagen die Köttel bei empfindlichen Hunden schnell auf den Magen.
- Hühnerkot: häufig belastet mit Salmonellen und Campylobacter, beides auch für Menschen im Haushalt relevant.
- Wildkot von Fuchs oder Reh: das ernsteste Risiko, weil hier der Fuchsbandwurm eine Rolle spielen kann. ESCCAP führt ihn ausdrücklich unter den Erregern, die über Kot in der Umwelt weitergegeben werden.
Für Hunde, die auf dem Spaziergang zuverlässig fündig werden, ist deshalb ein engmaschigeres Entwurmungsintervall sinnvoll. Sprich das mit deiner Tierarztpraxis ab, statt selbst zu dosieren. Wie eine Wurmkur abläuft und wann eine Kotuntersuchung die bessere Wahl ist, steht in unserem Ratgeber zu Würmern beim Hund.
Hund frisst Menschenkot
Menschenkot und benutzte Windeln landen aus demselben Grund im Hund wie Katzenkot: Sie riechen nach unverdauten Nahrungsresten. Besonders betroffen sind Haushalte mit Babys, Gärten in der Nähe von Wanderwegen und Spaziergänge in Waldstücken, die als wildes WC genutzt werden.
Gesundheitlich ist das Risiko real, aber überschaubar: Übertragbar sind vor allem Magen-Darm-Erreger wie Salmonellen und Campylobacter sowie, seltener, Wurmeier. Umgekehrt gilt: Ein Hund, der Menschenkot gefressen hat, kann Erreger im Maul tragen. Vermeide danach für ein paar Stunden das Gesicht-Ablecken, und wasch dir nach dem Kontakt die Hände. Bei benutzten Windeln kommt ein zweites Problem dazu, das oft unterschätzt wird: Die Saugkerne quellen im Magen auf und können bei kleinen Hunden zu einem Darmverschluss führen. Das ist ein Fall für die Tierarztpraxis, nicht fürs Abwarten.
Welpe frisst Kot: normal oder nicht?
Bei Welpen kann das Erkunden durch Lecken und Schnüffeln an Kot normal sein. Besonders bei Welpen ist das Erkunden ihrer Umgebung durch Schnüffeln und Lecken, leider auch an Kot, ein normaler Entwicklungsschritt. Dennoch solltest du dieses Verhalten nicht fördern und konsequent unterbinden, da es zu einer Gewohnheit werden kann.
Zwei Dinge sind bei Welpen wichtiger als bei erwachsenen Hunden. Erstens: Sie sind deutlich anfälliger für Parasiten und für Magen-Darm-Infekte, ein Wurmbefall kann bei ihnen ernsthaft werden. Zweitens: Was sie in dieser Phase als normal abspeichern, bleibt oft. Konsequentes Wegräumen in den ersten Monaten ist deshalb die beste Investition, die du machen kannst.
Bei Junghunden verschwindet das Verhalten in vielen Fällen von selbst, wenn die Erkundungsphase vorbei ist und der Kot konsequent weggeräumt wird.
Welche gesundheitlichen Risiken bestehen?
Ein Hund, der Kot frisst, setzt sich verschiedenen Gesundheitsrisiken aus. Wie hoch das Risiko ist, hängt stark davon ab, wessen Kot er frisst: Beim eigenen, frischen Kot ist es gering, bei Fremd- und Wildkot deutlich höher.
- Parasitenbefall: Durch das Fressen von Kot anderer Tiere können Parasiten wie Würmer oder Giardien übertragen werden.
- Bakterielle Infektionen: Kot enthält zahlreiche Bakterien, die zu Magen-Darm-Erkrankungen führen können. ESCCAP nennt für Hundekot in der Umwelt unter anderem Salmonellen, Campylobacter und Colibakterien.
- Virale Erkrankungen: Bestimmte Viren können über den Kot übertragen werden und schwerwiegende Erkrankungen auslösen.
- Rückstände von Medikamenten, vor allem Entwurmungsmittel im Kot von Pferden und Nutztieren.
- Fremdkörper, etwa Katzenstreu oder Windelmaterial, die mitgefressen werden.
Der regelmäßige Verzehr von Kot ist also nicht nur unangenehm für dich als Besitzer, sondern kann auch ein Gesundheitsrisiko für deinen Vierbeiner darstellen. Was du bei akuten Magen-Darm-Symptomen tun kannst, steht in unserem Ratgeber zu Magen-Darm-Erkrankungen beim Hund.
Kotfressen abgewöhnen: was wirklich hilft
Die ehrlichste Antwort zuerst: Es gibt keine Methode mit hoher Erfolgsquote. In der Untersuchung von Hart und Kolleginnen lag die berichtete Erfolgsrate der kommerziellen Produkte bei 0 bis 2 % und die der Verhaltensmaßnahmen bei 1 bis 4 %. Was übrig bleibt, ist Management: dafür sorgen, dass gar nichts zu finden ist. Das klingt weniger spektakulär, funktioniert aber.
Management: der wirksamste Hebel
- Garten täglich absammeln, am besten direkt nach jedem Lösen.
- Katzenklo unzugänglich machen statt darauf zu hoffen, dass dein Hund es freiwillig ignoriert.
- An der Leine führen, wo erfahrungsgemäß Pferdeäpfel oder Wildkot liegen.
- Früh ablenken: Lenke deinen Hund bei Spaziergängen ab, wenn er beginnt, an Kot zu schnüffeln, und nicht erst, wenn er schon zuschnappt.
- Maulkorb als vorübergehende Lösung bei Hunden, die alles fressen. Vorher positiv aufbauen, nie als Strafe.
Training: das Kommando, das zählt
Trainiere den Befehl „Lass das" und setze ihn konsequent ein, wenn dein Hund Kot fressen möchte. Wichtig ist der Zeitpunkt: Das Kommando muss kommen, während dein Hund noch schnüffelt, nicht wenn er schon den Kopf gesenkt hat. Baue es fernab vom Ernstfall auf, zum Beispiel mit einem Leckerli auf dem Boden, und belohne das Abwenden großzügig.
Bestrafung ist kontraproduktiv und kann zu zusätzlichem Stress führen, der das Problem verschlimmert. Setze stattdessen auf positive Verstärkung: Belohne deinen Hund, wenn er auf Kommando vom Kot ablässt. Bewährt hat sich außerdem ein zuverlässiger Rückruf und ein Tauschgeschäft, bei dem dein Hund lernt, dass Herkommen sich mehr lohnt als Schlucken.
Verdaulichkeit verbessern
Auch wenn ein Nährstoffmangel als Ursache selten ist: Die Qualität des Futters spielt eine Rolle. Hochwertige Proteine sind leichter verdaulich und hinterlassen weniger unverdaute Nährstoffe im Kot. Ballaststoffe in der richtigen Menge unterstützen eine gesunde Darmpassage. Und eine schrittweise Futterumstellung sollte immer behutsam erfolgen, um den Verdauungstrakt nicht zu überfordern, siehe unseren Ratgeber zur Futterumstellung beim Hund.
Enzyme und Probiotika können die Verdauung unterstützen und helfen, Nährstoffe besser aufzunehmen. Was sie nicht können, ist Kotfressen abstellen. Wer sie einsetzt, tut das für den Darm, nicht gegen das Verhalten.
HEY HOLY Digestive Delight
- Prä- und Probiotika: Zichorie (35 %), Bananenmehl (30 %), Karottenpulver (24,5 %) und Flohsamenschalen (10 %)
- Gedacht für die Verdauung, besonders bei Futterumstellungen, nicht gegen das Kotfressen selbst
- Einfach dosiert: 2 g pro 5 kg Körpergewicht täglich, lässt sich unters Futter mischen
- Jetzt ausprobieren
Hausmittel und Futterzusätze im Check
Rund um das Kotfressen kursieren viele Hausmittel, und fast alle beruhen auf derselben Idee: den Kot für den Hund unangenehm schmecken zu lassen. Die Untersuchung von Hart und Kolleginnen hat genau das überprüft, mit einem klaren Ergebnis: Die berichtete Erfolgsrate der kommerziellen Produkte lag bei 0 bis 2 %.
- Ananas: Es gibt Berichte, dass Ananas den Geschmack des Kots für Hunde unangenehm macht. Wissenschaftlich ist das nicht belegt. Ein Versuch schadet nicht, solange dein Hund Ananas verträgt und die Menge klein bleibt.
- Kürbis oder Zucchini im Futter: beliebt, aber ohne Beleg für diesen Zweck. Als Ballaststoffquelle sind sie in Ordnung.
- Kommerzielle Vergällungsmittel: Spezielle Futterzusätze, die dem Futter beigemengt werden, sollen den Geschmack des Kots für den Hund unangenehm machen. Ihre Erfolgsquote liegt laut der Untersuchung bei 0 bis 2 %. Zudem hilft das nur beim eigenen Kot, nicht bei dem des Nachbarhundes.
- Nahrungsergänzung mit B-Vitaminen und Verdauungsenzymen: unterstützt eine gesunde Verdauung, ist aber kein Mittel gegen Koprophagie.
- Scharfe Soße oder Pfeffer auf den Kot: davon ist ausdrücklich abzuraten. Es reizt die Schleimhäute und funktioniert ohnehin nicht.
Wenn du eines dieser Mittel ausprobieren willst, gib ihm drei bis vier Wochen und beobachte, ob sich wirklich etwas ändert. Und kombiniere es immer mit konsequentem Wegräumen, denn das ist der Teil, der tatsächlich wirkt.
Wann solltest du zum Tierarzt?
Wenn das Kotfressen trotz deiner Bemühungen anhält, ist ein Tierarztbesuch ratsam. Folgende Anzeichen sollten dich besonders alarmieren:
- Plötzliches Auftreten von Koprophagie bei einem erwachsenen Hund, der es vorher nie getan hat
- Zusätzliche Symptome wie Gewichtsverlust, Durchfall oder Erbrechen
- Auffälliger Heißhunger oder ständiges Hungergefühl
- Großvolumiger, heller, übelriechender Kot
- Stumpfes Fell und nachlassende Kondition
Als Tierärztin empfehle ich in solchen Fällen eine gründliche Untersuchung, einschließlich Blutbild und gegebenenfalls einer Kotuntersuchung über drei Tage, um organische Ursachen auszuschließen. Wichtig für die Praxis: Bring die Sammelprobe mit und notiere, seit wann das Verhalten besteht und wessen Kot dein Hund bevorzugt. Das grenzt die Ursache schneller ein als jede Verdachtsdiagnose.
Gute Verdauung beginnt im Napf. Finde das Futter, das zu deinem Hund passt!
Auf Entdeckertour gehen
FAQ
Warum frisst mein Hund Kot?
Am wahrscheinlichsten steckt ein vom Wolf geerbtes Verhalten zur Parasitenvermeidung dahinter: Frischer Kot wird beseitigt, bevor sich darin infektiöse Wurmlarven entwickeln. Dazu passt, dass 85 % des gefressenen Kots nicht älter als zwei Tage war. Seltener sind Verdauungserkrankungen, starker Wurmbefall, Medikamente mit Appetitsteigerung oder Stress und Langeweile die Ursache.
Welcher Mangel steckt dahinter, wenn ein Hund Kot frisst?
In der bislang größten Untersuchung dazu fand sich kein Zusammenhang zwischen Kotfressen und der Ernährung der Hunde. Ein pauschaler Vitamin- oder Mineralstoffmangel als Erklärung greift also fast immer zu kurz, und Nahrungsergänzung auf Verdacht bringt selten etwas. Relevanter ist die Verdaulichkeit des Futters und, in einer kleinen Gruppe, eine echte Störung der Nährstoffaufnahme.
Ist es normal, dass Welpen Kot fressen?
Bei Welpen kann das Erkunden durch Lecken und Schnüffeln an Kot normal sein. Dennoch solltest du dieses Verhalten nicht fördern und konsequent unterbinden, da es zu einer Gewohnheit werden kann. Welpen sind zudem anfälliger für Parasiten und Magen-Darm-Infekte. Konsequentes Wegräumen in den ersten Monaten ist die wirksamste Maßnahme.
Warum frisst mein Hund Katzenkot?
Katzenfutter ist proteinreicher als Hundefutter, entsprechend eiweißreich ist auch der Kot. Für die Nase eines Hundes riecht das Katzenklo deshalb nach Futter. Riskant ist es, weil Katzen Giardien ausscheiden können, deren Zysten laut ESCCAP im Kot rund eine Woche ansteckend bleiben und in feuchter Umgebung bis zu drei Monate. Die einzige zuverlässige Lösung ist ein unzugängliches Katzenklo.
Kann mein Hund durch das Kotfressen krank werden?
Ja, durch das Fressen von Kot können Parasiten, Bakterien und Viren übertragen werden, die zu ernsthaften Erkrankungen führen können. Besonders gefährlich ist das Fressen von Kot fremder Tiere oder wilder Tiere. Beim eigenen, frischen Kot ist das Risiko dagegen gering, weil ausgeschiedene Wurmeier erst nach Wochen infektiös werden.
Hilft es, dem Futter Ananas beizumischen?
Es gibt Berichte, dass Ananas den Geschmack des Kots für Hunde unangenehm macht. Wissenschaftlich ist dies jedoch nicht eindeutig belegt. Ein Versuch kann nicht schaden, solange dein Hund Ananas verträgt. Für kommerzielle Vergällungsmittel liegt die berichtete Erfolgsrate laut der Untersuchung von Hart und Kolleginnen bei 0 bis 2 %.
Sollte ich meinen Hund bestrafen, wenn er Kot frisst?
Bestrafung ist kontraproduktiv und kann zu zusätzlichem Stress führen, der das Problem verschlimmert. Bei manchen Hunden wird das Hinterherrennen und Schimpfen sogar selbst zur Belohnung. Setze stattdessen auf positive Verstärkung: Belohne deinen Hund, wenn er auf Kommando vom Kot ablässt, und sorge parallel dafür, dass gar nichts mehr zu finden ist.
Unser Fazit
- Kotfressen ist bei Hunden verbreitet: 16 % gelten als häufige Kotfresser.
- Die wahrscheinlichste Erklärung ist ein vom Wolf geerbtes Verhalten zur Parasitenvermeidung, kein Defekt.
- Der Mangel-Mythos hält der Datenlage nicht stand: Ein Zusammenhang zur Ernährung wurde nicht gefunden.
- Medizinisch relevant wird es, wenn ein erwachsener Hund plötzlich anfängt oder weitere Symptome dazukommen.
- Eigener, frischer Kot ist gesundheitlich harmlos. Katzen-, Wild- und Nutztierkot sind es nicht.
- Vergällungsmittel und Hausmittel wirken kaum: 0 bis 2 % Erfolgsquote bei kommerziellen Produkten.
- Was wirklich hilft, ist Management: sofort wegräumen, Katzenklo sichern, an der Leine früh ablenken.
- Und das Wichtigste im Alltag: nicht reagieren, nicht hinterherrennen, wortlos die Richtung wechseln. 🐾
Quellen
- Benjamin L. Hart, Lynette A. Hart, Abigail P. Thigpen und Kolleginnen: The paradox of canine conspecific coprophagy. Veterinary Medicine and Science 4, 106–114 (2018), nachgewiesen über das Forschungsrepositorium der University of California Davis. Belegt: 16 % häufige Kotfresser (mindestens sechsmal beobachtet), 85 % des gefressenen Kots nicht älter als zwei Tage, kein Zusammenhang zur Ernährung oder zum Alter des Hundes, kotfressende Hunde häufiger als gierige Fresser beschrieben, Erfolgsrate der kommerziellen Produkte 0 bis 2 % und der Verhaltensmaßnahmen 1 bis 4 %, Hypothese der Parasitenvermeidung.
- ESCCAP Deutschland: Parasitengefahr im Garten. Belegt: über Hundekot in der Umwelt übertragbare Erreger (Spul-, Rund-, Band- und Lungenwürmer, Fuchsbandwurm, Neospora caninum, Salmonellen, Campylobacter, Colibakterien) sowie die Tatsache, dass Spulwurmeier erst nach einigen Wochen infektiös werden und dann jahrelang überleben.
- ESCCAP Deutschland: Giardien. Belegt: Ausscheidung der Zysten über den Kot, Ansteckungsfähigkeit im Kot rund eine Woche, in feuchter Umgebung bis zu drei Monate.
Über die Autorin
Helena Bröring-Veith - Med. Vet. ist Tierärztin im HEY HOLY Team. Sie hat an der Tierärztlichen Hochschule Hannover studiert und mehrere Jahre in einer Kleintierklinik praktiziert. Bei HEY HOLY verantwortet sie als fachliche Reviewerin die Inhalte rund um Tiergesundheit und Ernährung. Mehr über das Team und unsere wissenschaftliche Arbeit findest du auf der Seite Über uns.
