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Die Hundefütterung ist ein zentrales Thema für jeden Hundehalter! Sicherlich hast du dich auch schon gefragt ob deine Fütterungsroutinen richtig sind oder wie oft am Tag dein Hund am besten gefüttert werden sollte. Und welches Futter ist überhaupt das richtige für deinen Liebling und stimmt es, dass der Hund nach 17 Uhr nicht mehr gefüttert werden sollte?  

Wir wollen mit unserem Fütterungsguide Antworten auf all diese Fragen geben, damit die Fütterung deines Hundes zukünftig ohne Fragezeichen im Kopf stattfinden kann! 

 

Zunächst ist es interessant, den Aufbau und die Funktion des Magen-Darm-Traktes anzuschauen, um eine bessere Übersicht zu erhalten, was an welcher Stelle geschieht. 

Wie ist der Magen-Darm-Trakt aufgebaut und was passiert an welcher Stelle?  

Die 4 Teile des Verdauungstraktes:

  1. 1Kopfdarm (Lippen bis Kehlkopf)
  2. 2Vorderdarm (Speiseröhre und Magen)
  3. 3Mitteldarm (Dünndarm: Duodenum, Jejunum, Ileum)
  4. 4Enddarm (Dickdarm inklusive After)

1. Kopfdarm: Im ersten Abschnitt wird das Futter teilweise zerkleinert – beim Hund hat dies keinen besonders hohen Stellenwert – und eingespeichelt. Durch den Schluckvorgang wird das Futter nun über die Speiseröhre in den Magen befördert. 

 

2. Vorderdarm: Im Magen sinkt nach der Futteraufnahme der pH-Wert rasch deutlich ab durch die Produktion von Magensäure. Diese sorgt für optimale Voraussetzungen für die Eiweißverdauung und eliminiert alle ungewollten Bakterien. 

 

3. Mitteldarm: Im Dünndarm findet die weitere Verdauung durch Enzyme und Bakterien statt. Er ist – wie beim Menschen auch – noch einmal unterteilt in verschiedene Abschnitte. Im ersten Teil, dem Zwölffingerdarm oder Duodenum, werden dem Nahrungsbrei weitere Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse und Gallensäuren aus der Leber hinzugefügt. Dann folgt der Leerdarm, auch Jejunum, der längste Dünndarmabschnitt, und der Hüftdarm, das Ileum. Hier findet der Hauptteil der Verdauung statt: in Aminosäuren aufgespaltene Proteine, Fettsäuren, Mineralien, Vitamine und Wasser werden entzogen. 

 

4. Enddarm: Im letzten Abschnitt – dem Dickdarm – werden dem Nahrungsbrei noch einmal Wasser und Mineralien entzogen, damit die unverdaulichen Reste dann ausgeschieden werden können. Genau dieser Abschnitt ist beispielsweise bei akuten Durchfällen durch Infektionen oder Unverträglichkeiten betroffen, sodass durch unzureichenden Wasserentzug Durchfall entsteht. 

Der Hund hat insgesamt einen großen Magen, dieser macht 2/3 des Gesamtvolumens aus, und einen eher kurzen Darm. Das Gesamtvolumen ist je nach Hundegröße stark variabel.

Was benötigt der Hund alles, um gesund zu bleiben – was muss in einer ausgewogenen Ration enthalten sein?

 

Der Hund hat sich mit seiner Domestizierung in den Jahren an der Seite des Menschen zu einem carni-Omnivoren entwickelt. Das bedeutet, dass er ein Allesfresser mit Schwerpunkt auf tierisches Protein, also Fleisch, ist.  

 

Grundsätzlich benötigt ein Hund die gleichen Makronährstoffe wie auch der Mensch, nämlich ausreichend Protein, Kohlenhydrate und Fett und eine dazu passende Mineralisierung und Vitamine in der Ration. Das kann durch eine ausgewogene Zusammenstellung des Futters gewährleistet werden. Dies bedeutet, dass eine Proteinquelle (Fleisch oder Fisch oder auch pflanzliches Protein) mit Gemüse und Obst und einer Kohlenhydratquelle kombiniert werden sollte. Wichtig zu bedenken ist immer, dass sowohl ein zu wenig nicht gut ist, aber auch ein zu viel beispielsweise an Fett oder Protein zu gesundheitlichen Schäden führen kann. 

Die Einzig Wahre Fütterungsart gibt es nicht - Alle Arten haben ihre Daseinsberechtigung

Welche Arten der Fütterung gibt es und welche ist die beste? 

Mittlerweile gibt es viele verschiedene Arten der Hundefütterung, die Vor- und Nachteile und alle ihre Berechtigung haben.  

Die beste oder richtige Art deinen Hund zu füttern, gibt es nicht. Wir haben euch jedoch im Folgenden einen kleinen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten zusammengefasst.

Trockenfutter ist der Klassiker und sehr praktisch für die meisten Hunde. Wichtig ist, dass es ein ausreichend mineralisiertes „Alleinfutter“ ist, damit der Hund mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt ist. 

 

Nassfutter ist vor allem für mäkeligere Hunde und auch bei übergewichtigeren Hunden wegen der niedrigeren Energiedichte geeignet. Auch hier ist es wichtig, ein „Alleinfutter“ zu wählen und nach Möglichkeit auch kein Futter, das ausschließlich aus Fleisch besteht. 

 

BARF ist in den letzten Jahren sehr beliebt geworden. Hierbei handelt es sich um biologisch artgerechte Rohfütterung. Neben offensichtlichen hygienischen Risiken benötigt man auch viel Wissen über die Rationsgestaltung. Leider sind viele Rationen deutlich zu Protein lastig und unzureichend mineralisiert. Für manche Allergiker ist BARF aber die perfekte Lösung. 

 

Auch selbstgekochte Diäten werden immer beliebter. Abgesehen von den hygienischen Risiken gibt es hier die gleichen Herausforderungen wie beim Barfen.  

 

Kombinationen aus diesen Fütterungsarten gibt es natürlich auch. Oft ist es gar nicht schlecht, dem Hund so etwas Abwechslung im Napf zu bieten. Mischt man allerdings Futter unterschiedlicher Hersteller, so muss auch hier genau geschaut werden, ob die letztendliche Ration tatsächlich überall bedarfsdeckend ist. Dies kann herausfordernd sein. 

 

Die beste oder richtige Art deinen Hund zu füttern, gibt es letztendlich nicht. Letztlich sind auch individuelle Vorlieben deines Vierbeiners zu berücksichtigen. Von selbst zusammengestellten Rationen ist aber ohne entsprechende Sachkenntnis abzuraten. 

Ein erwachsener Hund sollte 1-2x am Tag gefüttert werden

Wie oft sollte mein Hund gefüttert werden und welche Menge an Futter benötigt er?  

 

Ein erwachsener, gesunder Hund sollte ein- bis zweimal am Tag gefüttert werden, so wie es am besten in deinen und seinen Tagesablauf passt. Hunde mit Magen-Darm-Problemen oder mäkelige Hunde benötigen eventuell mehrere, kleine Portionen, ebenso wie sehr große Portionen für große Hunde besser aufgeteilt werden sollten.  

Bei der Menge des Futters kann man sich einerseits an den Empfehlungen des Herstellers orientieren, aber es gibt immer individuelle Schwankungen abhängig vom Grundumsatz und der Aktivität. Deshalb solltest du genau darauf achten wie sich das Gewicht und der Ernährungszustand deines Hundes verändern und die Fütterung entsprechend anpassen. 

 

Was ist die beste Fütterungsroutine? 

 

Eine gute Fütterung sollte an einem ruhigen Ort erfolgen, am besten nach körperlicher Aktivität, also nach dem Spaziergang und vielleicht, wenn auch du deine Mahlzeit einnimmst, dann beugst du dem Betteln am Tisch automatisch vor. Am besten ist es, wenn sich ein Ritual etabliert. Zum Beispiel kannst du deinen Hund bei der Futterzubereitung „Sitz“ machen lassen und erst auf Kommando darf er zu seinem Napf. So schulst du gleichzeitig Gehorsam, Frustrationstoleranz und hast ein niedrigeres Risiko für Futteraggressionen.  

Insbesondere Schäferhund Besitzer kennen das Problem: Mäkeligkeit und Unlulst auf Fressen.

Welche Probleme kann es bei der Fütterung geben?  

 

Für die meisten Hunde ist die Fütterungszeit ein normaler Punkt im Tagesablauf. Es gibt aber auch immer wieder Spezialfälle.

 

Die 4 häufigsten Probleme bei der Fütterung:

  1. 1Hastiges Fressen
  2. 2Mäkeligkeit
  3. 3Futteragressionen
  4. 4Aufregung

  • Hastiges Fressen: Besonders oft beim Retriever kann sehr hastiges Fressen vorkommen. Manchmal verschlucken sich die Hunde dann oder laufen Gefahr auch Futterbrocken einzuatmen. Am effektivsten kann man hier mit einem Antischlingnapf arbeiten oder einige große! Steine in den Futternapf legen, die der Hund nicht mit verschlucken kann.  Auch Bulldoggen leiden unter zu schnellem FRessverhalten, woduch häufig auch Blähungen entstehen können. Mehr zur Bulldogge und ihren Blähungen findest du hier.

 

  • Mäkeligkeit: Gerade Minis oder Schäferhunde können schon mal mäkelig mit dem Futter sein. Wie du damit am besten umgehst, kannst du hier nachlesen. Wichtig ist, dass insgesamt eine ausreichende Futteraufnahme gewährleistet ist. 

 

  • Futteraggressionen: Besonders besitzergreifende Charaktere neigen schonmal zur Verteidigung ihrer Ressource „Futter“ gegenüber Artgenossen oder dem Menschen. Dies muss mit konsequenten Erziehungsmaßnahmen langfristig unterbunden werden. Bis dahin ist separiertes Fressen und Futterzubereitung ohne den Hund in der Nähe eine deeskalierende Maßnahme. 

 

  • Aufregung vor oder nach der Fütterung: Dass der Hund sich auf das Fressen freut oder danach richtig aufdreht, ist fast nachvollziehbar. Trotzdem sollte auch dies durch passende Erziehung unterbunden werden. Die Aufregung vorher kann sonst eventuell auch in Aggression umschlagen, während die Nervosität nach der Fütterung gesundheitlich bedenklich ist und zu Erbrechen oder im schlimmsten Fall zu einer Magendrehung führen kann.  

Welche futterassoziierten Krankheiten kommen oft vor?  

 

Allergien/Unverträglichkeiten:

Allergien und Unverträglichkeiten äußern sich über Magen-Darm-Symptome oder Juckreiz/Pfotenlecken/Ohrenentzündungen, erfahre hier mehr darüber 

 

Magendrehung:

Ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen einer Magendrehung und der Fütterung gibt, konnte bislang nicht bewiesen werden; trotzdem sollte nach der Futteraufnahme eine Ruhepause eingelegt werden und nicht zu große Portionen verfüttert werden 

 

Nüchtern-Erbrechen

Manche Hunde neigen morgens zum Erbrechen von Galle, wenn sie lange nicht gefressen haben, hier sollte abends spät und morgens früh eine kleine Extra-Mahlzeit gegeben werden  

 

Magenüberladung

Magenüberladung kann vor allem bei der unkontrollierten Aufnahme großer Mengen Trockenfutter entstehen und bis zu einem Riss des Magens führen 

 

Wachstumsstörungen bei großen Rassen

Eine unpassende Mineralisierung bzw. zu viel Fütterung bei heranwachsenden Hunden großer Rassen kann zu irreparablen Schäden am Bewegungsapparat führen. Mehr Infos darüber findest du hier 

Insbesondere bei sensiblen Hunden sollte etwas Zeit für die Umstellung eingeplant werden!

Was muss bei der Futterumstellung beachtet werden?  

 

Eine Futterumstellung ist bei manchen Hunden gar kein Problem, sie können quasi jeden Tag ein anderes Futter bekommen und vertragen alles sehr gut. Andere sind wiederum sehr sensibel und reagieren auf jede kleine Veränderung mit Symptomen des Magen-Darm-Traktes.  

Auch wenn dein Hund vielleicht nicht sensibel ist, so ist es doch empfehlenswert bei einem Futter zu bleiben, damit die Nährstoffversorgung über einen längeren Zeitraum konstant ist, das Mikrobiom des Darms sich genau auf das Futter einstellen kann und somit die Verdaulichkeit optimiert wird.  

Vorab solltest du dir Gedanken machen, was das Futter für deinen Liebling alles können soll, wie viel Energie er benötigt und welche Zutaten er vielleicht bekannterweise mag und verträgt. Dabei solltest du auch beachten, dass eine vielleicht etwas zu füllige „Couch-Potato“ besser kein High-Energy Futter bekommen sollte. Das Futter muss also zu den Ansprüchen deines Hundes passen. 

Ist nun das passende Futter gefunden und der Futterwechsel steht an, so sollte dafür mindestens ein Zeitraum von 10-14 Tagen eingeplant werden. Bei sensiblen Hunden ist es sogar besser, den Wechselzeitraum auf bis zu 2 Monate zu verlängern. Dann sollte langsam das neue Futter mit dem alten gemischt und die Menge des neuen dabei schrittweise erhöht werden. 

Wenn du noch mehr über unsere Empfehlungen zur Futterumstellung lesen willst, so kannst du hier weiterlesen. 

Eine veränderte Kotmenge und Kotkonsistenz während der Futterumstelllung ist ganz normal und kein Grund zur Sorge. Wichtig hierbei ist eine kontrollierte Umstellung. Ein Abbruch der Umstellung nach ein paar Tagen kann oft verfrüht sein.

Welche Symptome kann ich im Zuge der Futterumstellung erwarten?  

 

Im Rahmen einer Futterumstellung kann es vor allem durch die veränderte Zusammensetzung an Makronährstoffen und auch durch die notwendige Anpassung des Mikrobioms an das neue Futter natürlicherweise zu folgenden Symptomen kommen: 

  • Veränderung der Kotmenge: Teilweise können nicht von Anfang an  alle Bestandteile des neuen Futters verdaut werden, deshalb ist die Kotmenge noch etwas mehr als normal – dies reguliert sich im Normalfall nach ein paar Wochen 
  • Blähungen: eine veränderte Menge von Makronährstoffen kann zu veränderter Bakterienaktivität führen, diese bilden Gase, die dann mit unangenehmem Geruch entweichen können. Das Mikrobiom adaptiert sich in der Regel nach ein paar Wochen und somit normalisiert sich auch die Menge an gebildetem Gas  
  • Darmgeräusche: Auch hier sind die Bakterien und die Passagegeschwindigkeit des Futterbreis verantwortlich. Vermehrte Darmgeräusche sollten ebenfalls nach ein paar Tagen bis Wochen auf ein normales Maß zurückgehen  
  • Veränderung der Kotkonsistenz: Der Verdauungstrakt muss sich an die Bestandteile des neuen Futters gewöhnen, dementsprechend kann auch die Kotkonsistenz in den ersten Tagen etwas variieren. 

 

Leichte Magen-Darm-Symptome können ganz normal sein und sprechen nicht für eine Unverträglichkeit oder Allergie! 

Bei anhaltenden Problemen kann es sich natürlich trotz allem um eine Unverträglichkeit handeln. Dies sollte bei Bedarf abgeklärt werden. Eine Futtermittel-Allergie entsteht in der Regel erst nach längerer Zeit, kann also auch noch Jahre nach der Umstellung entstehen. 

  

Wann ist der ideale Zeitpunkt den Junghund auf ein Erwachsenenfutter umzustellen? 

 

Der junge Hund sollte dann auf ein Adultfutter umgestellt werden, wenn das Größenwachstum komplett abgeschlossen ist. Dies ist je nach Endgröße zwischen dem 6. Und 12. Monat der Fall, kleine Hunde sind früher ausgewachsen als große Rassen. Bis dahin hat der Junghund noch einen deutlich erhöhten Mineralstoffbedarf. Dieser muss durch ein entsprechendes Welpenfutter für große oder kleine Hunde gedeckt werden, sonst kann es zu schwerwiegenden und nicht zu reparierenden Schäden an den Knochen und dem gesamten Bewegungsapparat kommen.  

Ist der junge Hund so weit, dass er auf ein Adultfutter umgestellt werden kann und dann auch sollte, so muss die Futterumstellung langsam und über einen Zeitraum von 2-6 Wochen durchgeführt werden, damit die Darmflora sich langsam an das neue Futter gewöhnen kann.  Mehr Infos hierzu findest du hier.

Fazit:

Die 10 goldenen Regeln der Hundefütterung:

 

1. Wähle ein Hundefutter, das zu den Ansprüchen deines Hundes passt. 

2. Achte darauf, dass dein Futter als „Alleinfutter“ deklariert ist, damit dein Liebling mit allen Nährstoffen versorgt ist. 

3. Futterumstellungen sollten mit Geduld und nur bei entsprechender Notwendigkeit durchgeführt werden. 

4. Keine Panik bei Symptomen während der Futterumstellung, diese können ganz normal sein und liegen daran, dass der Magen-Darm-Trakt deines Lieblings sich erst an das neue Futter gewöhnen muss. 

5. Füttere deinen Welpen und Junghund lange genug aber nicht zu lange mit einem zu seiner Rasse passenden Welpenfutter, um Fehlentwicklungen des Bewegungsapparates zu vermeiden. 

6. Schaffe eine entspannte Umgebung zur Futteraufnahme und füttere deinen Hund nach Möglichkeit dann, wenn du auch isst. 

7. Überprüfe regelmäßig das Gewicht und den Ernährungszustand deines Hundes, um seine individuelle Futtermenge zu ermitteln. 

8. Nutze die Fütterung, um mit deinem Hund an Gehorsam und Frustrationstoleranz zu arbeiten, indem er erst auf ein Kommando fressen darf und vermeide, dass er zu schnell schlingt. 

9. Füttere nach Möglichkeit zu festen Zeiten, damit sich der Verdauungstrakt deines Lieblings darauf einstellen kann.  

10. Spaziergänge sollten vor der Fütterung erfolgen, im Anschluss sollte dein Vierbeiner eine Ruhepause einlegen. 

 

Alles Liebe,

Eure

Quellen:

Ernährung des Hundes. Zentek J, Hrsg. 9., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2022. doi:10.1055/b-006-166353