Verhalten Informativ

Hund alleine lassen: Trainingsplan Schritt für Schritt

Autorin: Helena, Veterinärmedizinerin August 2026

Alleinbleiben lernt ein Hund in kleinen, planbaren Schritten: erst Distanz im selben Raum, dann hinter geschlossener Tür, dann die Abschiedsrituale ohne echtes Weggehen, dann wenige Minuten außer Haus, dann langsam mehr. Entscheidend ist, dass du immer zurückkommst, bevor dein Hund Stress zeigt, nicht danach. Wer zu große Schritte macht, trainiert die Angst mit statt sie abzubauen.

Hunde sind hochsoziale Tiere, die auf das Leben in der Gruppe angepasst sind und eine starke Bindung zu ihren Rudelmitgliedern aufbauen. Trotzdem ist es manchmal unvermeidbar, sie für ein paar Stunden alleine zu lassen. In diesem Ratgeber bekommst du einen konkreten Trainingsplan, die fünf Tipps, die im Alltag den Unterschied machen, und eine ehrliche Einordnung, wann Training allein nicht mehr reicht.

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Trainingsbeginn: erste kleine Einheiten ab etwa 6 Monaten. Welpen in der Eingewöhnungsphase sollten nicht allein gelassen werden.
  • Die Regel des Trainings: Komm zurück, bevor dein Hund unruhig wird. Jede Einheit, die im Stress endet, wirft dich zurück.
  • Abschied und Rückkehr laufen betont unaufgeregt ab. Keine Verabschiedungszeremonie, keine überschwängliche Begrüßung.
  • Gesetzliche Lage: Die Tierschutz-Hundeverordnung nennt keine Stundengrenze, verlangt aber „mehrmals täglich in ausreichender Dauer" Umgang mit der Betreuungsperson.
  • Trennungsangst zeigt sich nicht nur in der Abwesenheit, sondern schon vorher: Unruhe beim Schlüsselgriff, ständiges Nachlaufen, Hecheln.
  • Häufigkeit: Die Angaben zu trennungsbedingten Verhaltensproblemen schwanken je nach Untersuchung stark, von 14 % bis 38 % der Hunde.
  • Realistisch bleiben: Auch in Studien geht der Fortschritt langsam. Wochen statt Tage sind die Regel, nicht die Ausnahme.

Warum fällt Hunden das Alleinbleiben schwer?

Alleinsein widerspricht der Natur des Hundes als Rudeltier. Hunde sind darauf angelegt, in der Gruppe zu leben und eine enge Bindung zu ihren Bezugspersonen aufzubauen. Dass ein Sozialpartner einfach verschwindet und irgendwann wiederkommt, ist für sie nichts Selbstverständliches, sondern etwas, das sie erst lernen müssen.

Dazu kommt: Ein Hund kann nicht wissen, dass du zurückkommst. Für ihn endet die Welt an der geschlossenen Tür. Genau deshalb funktioniert Training, das mit sehr kurzen Trennungen beginnt, so gut. Jede erfolgreich überstandene kleine Trennung ist eine Erfahrung, die sagt: Sie kommt wieder.

Wie häufig echte Probleme dabei sind, lässt sich schwer beziffern. In einer Übersicht der Forschungsgruppe um Feuerbacher und Muir reichen die Angaben zu trennungsbedingten Verhaltensproblemen je nach Untersuchung von 14 % bei Tierheimhunden in New York bis 38 % in einem englischen Tierheim. Sicher ist: Du bist mit dem Problem nicht allein.

Wie lange darf ein Hund alleine bleiben?

Eine allgemeingültige Stundenzahl gibt es nicht. Die Zeitspanne hängt von der Haltungssituation, dem Alter, dem Charakter und vor allem vom bisherigen Training ab. Ein gut trainierter, erwachsener Hund kommt mit vier bis fünf Stunden in der Regel gut zurecht, ein untrainierter Hund kann schon nach zehn Minuten in Panik geraten.

Was sagt das Gesetz?

Der Alt-Hinweis, dass einzelne Gemeinden Höchstzeiten festlegen, greift zu kurz. Maßgeblich ist die bundesweite Tierschutz-Hundeverordnung vom 2. Mai 2001. Sie nennt keine konkrete Höchstdauer in Stunden, verlangt aber in § 2 Absatz 1 ausdrücklich, einem Hund „mehrmals täglich in ausreichender Dauer Umgang mit der Person, die den Hund hält, betreut oder zu betreuen hat" zu gewähren, dazu ausreichend Auslauf im Freien und regelmäßig Kontakt zu Artgenossen.

Praktisch heißt das: Ein Acht-Stunden-Arbeitstag ohne jede Unterbrechung ist mit dieser Vorgabe schwer vereinbar. Wer so lange weg ist, braucht eine Lösung dazwischen, also einen Gassiservice, eine Hundebetreuung oder eine Mittagspause zu Hause.

Richtwerte nach Alter und Trainingsstand

  • Welpe in der Eingewöhnung: gar nicht allein. Erste Sekunden-Trennungen im selben Zuhause sind der Anfang.
  • Junghund ab etwa 6 Monaten: Trainingsbeginn, in Einheiten von Minuten.
  • Erwachsener Hund im Training: Steigerung über Wochen bis zu ein bis zwei Stunden.
  • Erwachsener, gut trainierter Hund: vier bis fünf Stunden sind für die meisten machbar.
  • Senior: oft wieder kürzer, weil Blase, Gelenke und beginnende Demenz die Toleranz senken.

Der Trainingsplan: Alleinbleiben in 5 Schritten

Das Training läuft in fünf aufeinander aufbauenden Stufen ab, und du gehst erst zur nächsten, wenn die aktuelle für deinen Hund langweilig geworden ist. Die wichtigste Regel dabei: Du kommst zurück, bevor dein Hund Stress zeigt, nicht als Reaktion darauf. Sonst lernt er, dass Jaulen dich zurückholt.

Schritt 1: Distanz im selben Raum

Lass deinen Hund im gleichen Raum auf seinem Platz liegen und geh selbst ein paar Schritte weg. Er darf dir nicht folgen. Zeigt er kein aufgeregtes oder irritiertes Verhalten, kannst du weitermachen. Diese Stufe wirkt banal, ist aber die Grundlage für alles Weitere, gerade bei Hunden, die dir bisher auf Schritt und Tritt gefolgt sind.

Schritt 2: Anderer Raum, offene Tür

Begib dich in einen anderen Raum, in den dein Hund dir nicht folgen darf. Die Türen bleiben geöffnet, sodass er dich noch hören kann. Reagiert dein Vierbeiner gelassen und entspannt, ist die Stufe geschafft. Wichtig: Beginne mit wenigen Sekunden, nicht mit Minuten.

Schritt 3: Anderer Raum, geschlossene Tür

Jetzt wiederholst du dieselbe Übung mit geschlossener Tür. Zeigt dein Hund Zeichen von Angst, wie Jaulen, Kratzen an Türen oder Bellen, gehst du zurück in den Raum. Und ein wichtiger Punkt: Schenke deinem Hund beim Zurückkommen am besten keine besondere Aufmerksamkeit. Er soll lernen, dass dein Kommen und Gehen nichts Besonderes ist.

Schritt 4: Abschiedsrituale ohne Weggehen

Zieh dir in der Wohnung die Outdoor-Klamotten an, ohne wirklich zu gehen. Klimpere mit dem Schlüssel, nimm die Tasche, stell dich an die Tür, und dann setz dich wieder hin. Diese Geräusche und Handlungen sind für viele Hunde das eigentliche Angstsignal, lange bevor die Tür ins Schloss fällt. Wiederhole das so oft, bis dein Hund liegen bleibt und dich nur noch müde ansieht.

Schritt 5: Wirklich weggehen, in Minuten

Erst jetzt öffnest du die Tür und verlässt die Wohnung, zunächst für wenige Minuten. Die Zeitspanne passt du an den Trainingsfortschritt deines Hundes an. Steigere nicht linear, sondern in unregelmäßigen Sprüngen: einmal drei Minuten, dann eine Minute, dann fünf, dann zwei. So wird die Dauer für deinen Hund unvorhersehbar und damit unwichtig. Das Training ist abgeschlossen, wenn deinem Hund die Übung gleichgültig geworden ist.

Die gute Nachricht: Die allermeisten Hunde lernen das Alleinbleiben, wenn die Schritte klein genug sind. Was du dafür brauchst, ist keine besondere Begabung, sondern Regelmäßigkeit. Fünf Minuten Training am Tag, konsequent über Wochen, schlagen jedes Wochenendprojekt.

Ein entspannter Hund beginnt beim Grundgerüst

Welches Futter passt zu deinem Hund?

Rasse, Alter, Gewicht und Aktivität bestimmen mit, wie ausgeglichen dein Hund durch den Tag kommt. Finde in 2 Minuten heraus, welche Rezeptur zu ihm passt.

Jetzt Quiz starten

Die 5 wichtigsten Trainingstipps

Neben dem eigentlichen Trainingsplan gibt es fünf Punkte, die im Alltag darüber entscheiden, ob das Training vorankommt oder stehen bleibt. Sie kosten nichts und sind trotzdem die häufigsten Stellschrauben, an denen wir in der Praxis drehen.

Tipp 1: Früh übt sich

Um einen Junghund früh daran zu gewöhnen, alleine zu bleiben, beginne mit ersten kleinen Trainingseinheiten, wenn dein Hund ein Alter von mindestens 6 Monaten erreicht hat. Ein früherer Trainingsbeginn ist nicht ratsam, da Welpen in den ersten Wochen ihrer Eingewöhnungsphase nicht alleine gelassen werden sollten, weil die räumliche Distanz vom Menschen eine große Stresssituation für den Welpen darstellt. Ein geschützter, vertrauter Rückzugsort in Form eines Kissens, Körbchens oder der Hundebox hilft, Vertrauen und Ruhe zu schaffen.

Tipp 2: Zuhause anfangen

Das Training beginnt nicht an der Wohnungstür, sondern im Wohnzimmer. Hunde mit einer ausgeprägten Trennungsangst können bereits exzessive Ängste entwickeln, wenn sie nur ahnen, bald alleine gelassen zu werden. Ein Distanztraining innerhalb der Wohnung hilft ihnen, diese Angst abzubauen, bevor überhaupt eine Tür ins Schloss fällt.

Tipp 3: Abschied und Wiederkommen sind das A und O

Das Kommen und Gehen sind wichtige Steuerungselemente des Trainings. Mehr dazu im nächsten Abschnitt, denn dieser Punkt wird am häufigsten falsch gemacht.

Tipp 4: Beschäftigung vorher

Bevor du die Wohnung verlässt, laste deinen Hund ausreichend aus, zum Beispiel durch einen ausgiebigen Spaziergang. Somit besteht die Möglichkeit, dass der Hund die Zeit der Abwesenheit komplett verschläft. Ebenfalls neigen ausgelastete Hunde weniger zu zerstörerischem Verhalten in der Wohnung. Wichtig ist die Reihenfolge: erst Bewegung, dann eine Ruhephase, dann gehst du. Ein aufgedrehter Hund, den du direkt nach dem Toben allein lässt, kommt nicht zur Ruhe.

Tipp 5: Dein Hund ist ein Individuum

Jeder Hund weist andere Charaktereigenschaften auf: Manche Hunde sind ängstlicher oder zurückgezogener, andere ruhig und gelassen, wieder andere aktiv und agil. Somit sollte die Zeitspanne des Alleinseins individuell auf das Wesen deines Hundes abgestimmt sein. Vergleiche mit dem Hund aus der Nachbarschaft helfen dir nicht weiter.

Abschied und Wiederkommen richtig gestalten

Verhalte dich beim Verlassen der Wohnung ganz normal und signalisiere damit, dass es etwas völlig Gewöhnliches ist, mal kurz weg zu sein. Ein aufgeregtes Verabschieden signalisiert dem Hund dagegen, dass gleich etwas Bedeutsames passiert, und lädt die Situation emotional auf.

Beim Zurückkommen gilt dasselbe in umgekehrter Richtung: Eine überschwängliche Begrüßung kann für den Hund überwältigend und stressig sein. Ein unaufgeregtes Heimkommen signalisiert die Selbstverständlichkeit, dass du immer wieder zurückkommst. Zieh erst die Jacke aus, räum die Einkäufe weg, und begrüße deinen Hund dann beiläufig.

Abschied und Rückkehr: was hilft, was schadet

Besser vermeiden

  • ❌ Ausgiebiges Verabschieden mit Streicheln und Erklärungen
  • ❌ Überschwängliche Begrüßung an der Tür
  • ❌ Zurückkommen, weil er gerade jault
  • ❌ Trainingssprünge von 5 auf 60 Minuten
  • ❌ Schimpfen wegen zerkratzter Türen
  • ❌ Ihn „gewöhnen lassen", indem du es aussitzt

Das hilft wirklich

  • ✅ Kommentarloses Rausgehen
  • ✅ Beiläufiges Heimkommen, erst Jacke ausziehen
  • ✅ Zurückkommen, solange er noch ruhig ist
  • ✅ Unregelmäßig steigern, mal kürzer, mal länger
  • ✅ Abschiedsrituale entkoppeln, ohne wegzugehen
  • ✅ Kamera nutzen, um wirklich zu wissen, was passiert

Trennungsangst erkennen und behandeln

Trennungsangst kann sich sowohl in der Anwesenheit als auch in der Abwesenheit abspielen. Die Angst vor der Trennung ist eine emotionale Reaktion und wird vermehrt durch Lautäußerungen deutlich, mit denen der Hund versucht, den Bindungspartner zurückzurufen. Wichtig ist der Unterschied zu Langeweile: Ein gelangweilter Hund zerstört gezielt und in Ruhe, ein ängstlicher Hund zerstört an Türen und Fenstern, also an den Fluchtwegen.

Symptome in deiner Anwesenheit

  • Unruhiges Verhalten durch Bewegung zur Haustür, ausgelöst durch das Anziehen der Jacke oder Schuhe
  • Permanente Suche nach körperlichem Kontakt
  • Bellen oder Jaulen als Folge des Schließens einer Zimmertür
  • Verfolgen jeder Handlung des Besitzers

Symptome in deiner Abwesenheit

  • Bellen, Winseln, Jaulen
  • Verweigerung der Nahrungsaufnahme
  • Zerstörerisches Verhalten, etwa Kratzen an Möbeln, Türen oder Fenstern
  • Erbrechen, Urinabgabe, Kotabgabe
  • Starkes Hecheln und Speicheln ohne Wärmebelastung

Die Symptome in der Abwesenheit siehst du naturgemäß nicht. Deshalb ist eine Kamera hier kein Spielzeug, sondern das wichtigste Diagnosewerkzeug. Erst wenn du weißt, ob dein Hund nach zwei Minuten schläft oder nach zwei Minuten hechelnd an der Tür steht, kannst du das Training sinnvoll dosieren.

Wenn dein Hund es nicht lernt: die häufigsten Fehler

Dass ein Hund trotz Training nicht alleine bleiben kann, liegt fast immer an einem von fünf Punkten: zu große Schritte, Rückkehr im falschen Moment, ein zu aufgeladener Abschied, zu wenig Wiederholungen oder eine körperliche Ursache, die niemand abgeklärt hat. Geh diese Liste ehrlich durch, bevor du das Training für gescheitert erklärst.

  1. Zu große Schritte. Der häufigste Fehler überhaupt. Wenn dein Hund bei 30 Sekunden entspannt ist, ist der nächste Schritt 45 Sekunden, nicht 10 Minuten.
  2. Rückkehr im falschen Moment. Kommst du zurück, während dein Hund jault, hat das Jaulen funktioniert. Warte nicht auf Ruhe, sondern verkürze die Einheit so weit, dass es gar nicht erst zum Jaulen kommt.
  3. Der Abschied ist noch aufgeladen. Wenn dein Hund beim Schlüsselgriff schon aufsteht, bist du in Schritt 4 noch nicht fertig. Diese Stufe braucht oft die meisten Wiederholungen.
  4. Zu wenig Frequenz. Zweimal pro Woche üben reicht nicht. Fünf sehr kurze Einheiten am Tag bringen mehr als eine lange am Wochenende.
  5. Körperliche Ursachen. Schmerzen, eine Blasenentzündung, nachlassendes Gehör oder beginnende Demenz beim älteren Hund können Unruhe und Lautäußerungen verursachen, die wie Trennungsangst aussehen. Ein Hund, der jahrelang problemlos allein war und es plötzlich nicht mehr ist, gehört zuerst in die Tierarztpraxis und erst dann ins Training.

Und eine ehrliche Erwartungshaltung gehört dazu: Auch unter Studienbedingungen kommt dieses Training nur langsam voran. In der Untersuchung von Feuerbacher und Muir verbesserten sich zwar alle behandelten Hunde, aber nur einer schaffte nach vier Trainingseinheiten mehr als fünf Minuten allein. Die Autoren sprechen ausdrücklich von einem langsamen Fortschritt. Wochen sind normal, nicht ein verlorenes Wochenende.

Welpen alleine lassen: ab wann?

In den ersten Wochen nach dem Einzug sollte ein Welpe gar nicht allein bleiben. Die räumliche Distanz vom Menschen stellt für ihn eine große Stresssituation dar, und der Zeitpunkt ist entscheidend: Was ein Welpe in dieser Phase als bedrohlich abspeichert, ist später schwerer aufzulösen als alles, was er nie erlebt hat.

Was du stattdessen von Anfang an übst, ist Distanz im Haus: Der Welpe liegt auf seinem Platz, während du in der Küche stehst. Er darf nicht überall mitlaufen. Mit etwa sechs Monaten beginnst du dann mit den echten Trennungseinheiten nach dem Plan oben. Alles Weitere zu den ersten Wochen findest du in unserem Ratgeber Dein Welpe zieht ein.

Hilfsmittel: Kamera, Kong, Hundebox und Co.

Hilfsmittel ersetzen kein Training, aber sie machen es messbar und angenehmer. Am wichtigsten ist die Kamera, weil sie dir zeigt, was wirklich passiert. Alles andere ist Komfort, kein Fundament.

  • Haustierkamera: hilft bei der Überprüfung des Verhaltens in der Abwesenheit. Ein großer Vorteil besonders für ängstliche Hunde ist die Sprachfunktion, mit der du jederzeit mit deinem Hund kommunizieren kannst. Eine vertraute Stimme kann einen ängstlichen Hund oftmals beruhigen. Nutze sie aber sparsam, sonst wird das Ansprechen selbst zum Reiz.
  • Gefüllter Kong oder Schnüffelteppich: beschäftigt in den ersten Minuten nach deinem Gehen, also genau in der kritischsten Phase. Wichtig: Was du hineinfüllst, gehört zur Tagesration. Passende Snacks findest du unter Leckerlis für Hunde.
  • Hundebox oder fester Rückzugsort: wirkt nur, wenn die Box vorher als etwas Positives aufgebaut wurde. Als Einsperrort verschärft sie die Angst.
  • Radio oder Fernseher leise: maskiert Geräusche von draußen, die manche Hunde zusätzlich beunruhigen.
  • Duft- und Ergänzungsprodukte: können begleitend eingesetzt werden, ersetzen aber weder Training noch tierärztliche Abklärung. Sprich das ab, statt auf Verdacht mehrere Präparate zu kombinieren.
Kong-Füllung zählt zur Tagesration: Der Futterrechner zeigt dir, wie viel dein Hund insgesamt braucht.
Zum Futterrechner

Welche Hunde tun sich besonders schwer?

Es gibt keine Rasse, die grundsätzlich nicht allein bleiben kann. Es gibt aber Rassegruppen, bei denen der Bedarf an Nähe, Aufgabe oder Auslastung höher ist, und wenn davon etwas fehlt, wird das Alleinbleiben zum Symptom. Besonders häufig betrifft das Terrier und Hütehunde, die auf enge Zusammenarbeit mit dem Menschen gezüchtet sind.

Ein Jack Russell Terrier, der unterfordert ist, hält keine vier Stunden Langeweile aus, das hat nichts mit Trennungsangst zu tun. Ein Border Collie ohne Aufgabe genauso wenig. Bei diesen Hunden ist die Frage nach der Auslastung mindestens so wichtig wie das Trennungstraining selbst. Umgekehrt sind Hunde aus dem Tierschutz mit unbekannter Vorgeschichte oft schneller überfordert, weil sie Verlassenwerden bereits einmal erlebt haben.

Ein ausgeglichener Hund beginnt beim passenden Futter. Finde das Richtige!

Auf Entdeckertour gehen

FAQ

Wie lange darf ein Hund alleine bleiben?

Eine feste Stundenzahl gibt es nicht. Die Tierschutz-Hundeverordnung nennt keine Höchstdauer, verlangt aber „mehrmals täglich in ausreichender Dauer" Umgang mit der Betreuungsperson. Praktisch kommt ein gut trainierter erwachsener Hund meist mit vier bis fünf Stunden zurecht. Ein Acht-Stunden-Arbeitstag ohne Unterbrechung ist damit schwer vereinbar und braucht einen Gassiservice oder eine Betreuung.

Wie bringe ich meinem Hund bei, alleine zu bleiben?

In fünf Stufen: erst Distanz im selben Raum, dann ein anderer Raum mit offener Tür, dann mit geschlossener Tür, dann die Abschiedsrituale wie Jacke und Schlüssel ohne echtes Weggehen, und erst dann tatsächlich hinausgehen, zunächst für wenige Minuten. Du gehst erst zur nächsten Stufe, wenn die aktuelle deinem Hund gleichgültig geworden ist.

Ab welchem Alter kann ich mit dem Training beginnen?

Mit ersten kleinen Trainingseinheiten beginnst du, wenn dein Hund mindestens 6 Monate alt ist. Ein früherer Beginn ist nicht ratsam, weil Welpen in den ersten Wochen ihrer Eingewöhnungsphase nicht alleine gelassen werden sollten. Distanz innerhalb der Wohnung, also Liegenbleiben auf dem Platz, während du im Nebenraum bist, kannst du dagegen von Anfang an üben.

Mein Hund lernt es einfach nicht, was mache ich falsch?

Meist liegt es an zu großen Trainingsschritten, an Rückkehr im falschen Moment, an einem noch aufgeladenen Abschiedsritual oder an zu wenigen Wiederholungen. Fünf sehr kurze Einheiten am Tag bringen mehr als eine lange am Wochenende. Wenn ein Hund plötzlich nicht mehr allein bleiben kann, der es vorher konnte, gehört zuerst eine tierärztliche Abklärung dazu.

Woran erkenne ich Trennungsangst?

Trennungsangst zeigt sich schon vor dem Gehen: Unruhe beim Griff zum Schlüssel, ständiges Nachlaufen, Bellen beim Schließen einer Zimmertür. In der Abwesenheit kommen Jaulen, Verweigerung von Futter, Zerstörung an Türen und Fenstern, Erbrechen sowie Urin- und Kotabgabe dazu. Ein gelangweilter Hund zerstört gezielt, ein ängstlicher Hund zerstört an den Fluchtwegen.

Hilft eine Kamera beim Training?

Ja, sie ist sogar das wichtigste Hilfsmittel. Nur mit einer Kamera weißt du, ab welcher Minute dein Hund unruhig wird, und kannst die Trainingseinheiten unterhalb dieser Schwelle ansetzen. Viele Modelle haben eine Sprachfunktion, mit der eine vertraute Stimme einen ängstlichen Hund beruhigen kann. Nutze diese Funktion aber sparsam.

Wie lange dauert es, bis ein Hund alleine bleiben kann?

Realistisch sind Wochen bis Monate, nicht Tage. In der Untersuchung von Feuerbacher und Muir verbesserten sich zwar alle behandelten Hunde, aber nur einer schaffte nach vier Trainingseinheiten mehr als fünf Minuten allein. Die Autoren beschreiben den Fortschritt ausdrücklich als langsam. Wer schneller sein will, macht zu große Schritte und verliert am Ende Zeit.

Unser Fazit

  1. Alleinbleiben ist für Hunde nichts Natürliches, sondern etwas, das sie lernen müssen. Und lernen können.
  2. Das Training läuft in fünf Stufen, von Distanz im selben Raum bis zum echten Weggehen für wenige Minuten.
  3. Die wichtigste Regel: zurückkommen, bevor dein Hund Stress zeigt, nicht danach.
  4. Abschied und Rückkehr laufen betont unaufgeregt ab. Keine Zeremonie in beide Richtungen.
  5. Trainingsbeginn ab etwa 6 Monaten, Distanz im Haus dagegen von Anfang an.
  6. Eine Kamera ist kein Luxus, sondern das Werkzeug, mit dem du die richtige Trainingslänge findest.
  7. Die Tierschutz-Hundeverordnung nennt keine Stundengrenze, verlangt aber mehrmals täglich Umgang mit der Betreuungsperson.
  8. Wenn ein Hund plötzlich nicht mehr allein bleiben kann, gehört zuerst eine tierärztliche Abklärung dazu.
  9. Und vor allem: Gib dem Ganzen Wochen, nicht Tage. Auch in Studien geht es langsam voran. 🐾

Quellen

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Tierschutz-Hundeverordnung vom 2. Mai 2001, bereitgestellt vom Tierschutzportal des Landes Hessen. Belegt: § 2 Absatz 1 verlangt „mehrmals täglich in ausreichender Dauer Umgang mit der Person, die den Hund hält, betreut oder zu betreuen hat", ausreichend Auslauf im Freien und regelmäßigen Kontakt zu Artgenossen. Eine konkrete Höchstdauer in Stunden nennt die Verordnung nicht.
  • Erica N. Feuerbacher, Kristy L. Muir: Using Owner Return as a Reinforcer to Operantly Treat Separation-Related Problem Behavior in Dogs. Animals 10(7), 1110 (2020). Belegt: Prävalenzangaben zu trennungsbedingten Verhaltensproblemen zwischen 14 % und 38 % je nach Untersuchung, Verbesserung bei allen behandelten Hunden, aber nur ein Hund über 5 Minuten nach vier Trainingseinheiten, ausdrücklicher Hinweis der Autorinnen auf den langsamen Fortschritt.

Über die Autorin

Helena Bröring-Veith - Med. Vet. ist Tierärztin im HEY HOLY Team. Sie hat an der Tierärztlichen Hochschule Hannover studiert und mehrere Jahre in einer Kleintierklinik praktiziert. Bei HEY HOLY verantwortet sie als fachliche Reviewerin die Inhalte rund um Tiergesundheit und Ernährung. Mehr über das Team und unsere wissenschaftliche Arbeit findest du auf der Seite Über uns.