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Hunde sind hochsoziale Tiere, die auf das Leben in der Gruppe angepasst sind und eine starke Bindung zu ihren Rudelmitgliedern aufbauen. Trotzdem ist es manchmal unvermeidbar, sie für wenige Stunden alleine zu lassen. Damit das für Hund und Eltern so stressfrei wie möglich klappt, ist es wichtig, das Alleinsein schon früh zu trainieren. Mit unseren Top 5 Tipps zeigen wir dir, wie ihr das Training meistert und was du dabei beachten musst.

Unsere Top 5 Trainings Tipps

  1. 1Beginn mit dem Training bereits im Junghundalter
  2. 2Starte mit dem Training zuhause
  3. 3Übe insbesondere Abschied und Wiederkommen
  4. 4Beschäftige deinen Hund ausreichend
  5. 5Beachte: Jeder Hund ist individuell!

Tipp # 1- Früh übt sich  

Um einen Junghund schon früh daran zu gewöhnen alleine zu bleiben, beginne mit ersten kleinen Trainingseinheiten, wenn dein Hund ein Alter von mindestens 6 Monaten erreicht hat. Ein früherer Trainingsbeginn ist nicht ratsam, da Welpen in den ersten Wochen ihrer Eingewöhnungsphase nicht alleine gelassen werden sollten, weil die räumliche Distanz vom Menschen eine große Stresssituation für den Welpen darstellt.

Ein geschützter, vertrauter Rückzugsort in Form eines Kissens, Körbchen oder der Hundebox hilft, Vertrauen und Ruhe zu schaffen.

Wichtig für eine erfolgreiche Gewöhnungsphase ist es, den Junghund Schritt für Schritt an die neue Situation zu gewöhnen - ohne etwas zu überstürzen.

 

Tipp #2– Distanztraining ohne Distanz

Hunde mit einer ausgeprägten Trennungsangst können bereits exzessive Ängste entwickeln, wenn sie nur ahnen bald alleine gelassen zu werden. Ein Distanztraining hilft ihnen dabei Trennungsangst zu lindern.

Trainingsphase 1 des Distanztrainings:

Lasse deinen Hund dafür im gleichen Raum auf seinem Platz liegen. Verlässt du den Raum, darf er nicht folgen. Zeigt er kein aufgeregtes oder irritiertes Verhalten, kann das Training fortgesetzt werden: begib dich dafür in einen anderen Raum, in den dein Hund dir nicht folgen darf. Die Türen sollten hierbei weiter geöffnet bleiben, sodass er dich noch hören kann. Reagiert dein Vierbeiner hierbei ebenfalls gelassen und entspannt, kann die Trainingseinheit mit geschlossener Tür wiederholt werden. Zeigt er jedoch Zeichen von Angst, wie beispielsweise Jaulen, Kratzen an Türen oder Bellen, begib dich wieder zurück in den Raum. Achtung! Schenke deinem Hund beim Zurückkommen am besten keine besondere Aufmerksamkeit.

Trainingsphase 2 des Distanztrainings:

Ziehe dir Outdoor-Klamotten in der Wohnung an, ohne wirklich die Wohnung zu verlassen. Das Klimpern mit einem Schlüssel signalisiert beispielsweise, dass ein Verlassen der Wohnung bevorstehen könnte. Damit sensibilisierst du deinen Hund auf diese Geräusche. Sobald diese Geräusche keine Angst bei deinem Vierbeiner auslösen, öffne die Tür und verlasse in einem zweiten Schritt die Wohnung für wenige Minuten. Die Zeitspanne sollte dabei an den Trainingsfortschritt deines Hundes angepasst werden. Empfohlen wird zu Beginn eine Trainingseinheit von wenigen Minuten, in der dein Hund allein in der Wohnung ist.

Das Training ist dann erfolgreich abgeschlossen, wenn deinem Hund die Übung gleichgültig wird.

Dein Vierbeiner merkt, dass du das Haus verlässt, sobald er bestimmte Geräusche, wie Schlüsselklimpern oder Anziehen.

Deep Dive: Trennungsangst

Trennungsangst kann sich sowohl in der Anwesenheit als auch in der Abwesenheit abspielen. Die Angst vor der Trennung ist eine emotionale Reaktion bei Tieren und wird vermehrt durch Lautäußerungen deutlich, mit denen der Hund versucht den Bindungspartner zurückzurufen.

Symptome in der Anwesenheit:

  • Unruhiges Verhalten des Hundes durch Bewegung zur Haustür, ausgelöst durch Anziehen der Jacke oder Schuhe
  • Permanente Suche nach körperlichem Kontakt
  • Bellen oder Jaulen als Folge des Schließen einer Zimmertür
  • Verfolgen von jeder Handlung des Besitzers

Symtome in der Abwesenheit:

  • Bellen, Winseln, Jaulen
  • Verweigerung der Nahrungsaufnahme
  • Zerstörerisches Verhalten (Kratzen an Möbeln, Türen oder Fenstern)
  • Erbrechen, Urinabgabe, Kotabgabe

Tipp #3 – Abschied und Wiederkommen sind das A und O

Das Kommen und Gehen sind wichtige Steuerungselemente des Trainings. Ein aufgeregtes Verabschieden signalisiert dem Hund, dass bald etwas passiert. Verhalte dich also ganz normal wenn du das Haus verlässt und signalisiere damit, dass es etwas ganz normales ist, mal kurz weg zu sein und dein Vierbeiner sich keine Sorgen machen muss.

Beim Zurückkommen ist es wichtig, deinen Hund auf eine unaufgeregte Weise zu begrüßen: eine überschwängliche Begrüßung kann für den Hund überwältigend und stressig sein. Ebenfalls signalisiert ein unaufgeregtes Heimkommen deinem Hund die Selbstverständlichkeit, dass du immer wieder zurückkommst.

Ausgelastete Hunde können besser alleine bleiben

Tipp #4 - Beschäftigung

 Bevor du die Wohnung für unbestimmte Zeit verlässt, laste deinen Hund ausreichend aus - z.B. durch einen ausgiebigen Spaziergang. Somit besteht die Möglichkeit, dass der Hund die Zeit der Abwesenheit komplett verschläft. Ebenfalls neigen ausgelastete Hunde weniger zu einem zerstörerischen Verhalten in der Wohnung.

 

Tipp #5 - Dein Hund ist ein Individuum

Eine genaue Zeitspanne, wie lange dein Hund alleine zuhause bleiben kann, lässt sich nicht so einfach definieren. Die Zeitspanne ist abhängig von der Haltungssituation, dem Alter und der zuvor erfolgten Trainingseinheiten. Jeder Hund weist andere Charaktereigenschaften auf: manche Hunde sind ängstlicher oder zurückgezogener, die
anderen ruhig und gelassen, andere aktiv und agil.

Somit sollte die Zeitspanne des Alleineseins individuell auf das Wesen deines Hundes abgestimmt sein.

Kann die Zeitspanne durch bestimmte Ausnahmesituationen nicht eingehalten werden, kann eine Haustierkamera zur Hilfe genommen werden. Diese hilft bei der Überprüfung des Verhaltens des Hundes in der Abwesenheit. Ein großer Vorteil besonders für ängstliche Hunde ist die Sprachfunktion der Kameras, mit der du jederzeit mit deinem Hund kommunizieren kannst. Eine vertraute Stimme kann einen ängstlichen Hund oftmals beruhigen.

Manche Gemeinden haben gesetzliche Bestimmungen, wie lange Hunde alleine bleiben dürfen.

Achtung! Lässt du deinen Vierbeiner alleine, beachte, dass es in manchen Gemeinden gesetzliche Bestimmungen darüber gibt, wie lange Hunde alleine bleiben dürfen. Es ist also ratsam, sich über die geltenden Gesetze in deiner Gegend zu informieren, bevor du deinen Hund alleine lässt.

Unser Fazit

Das Alleinesein des Hundes spricht gegen seine Natur als Rudeltier. Somit sollte es so oft wie möglich vermieden werden, um keine Anzeichen von Stress oder Angst bei deinem Hund hervorzurufen. Ist das aus persönlichen Gründen nicht möglich, sollte dein Hund ein auf seinen Charakter abgestimmtes Training erhalten, wodurch er lernt, mit dem Alleinesein
zurechtzukommen. Ein optimaler Start der Sensibilisierung ist im Junghundalter. Je älter der Hund wird, desto schwieriger die Umstellung.


Liebe Grüße,

Eure Helena

Quellen und weiterführende Links:

1: Sieme (2018), Bello allein zu Haus – Trennungsangst und Kontrollverlust, Aktion Tier-Geschäftsstelle Berlin, https://www.aktiontier.org/artikel/bello-allein-zu-haus

 

2: del Amo (2015), Trennungsangst beim Hund, Enke Verlag, https://www.thieme.de/de/tiermedizin/trennungsangst-hund-104295.htm

 

3: Dr. Schubert (2022), Trennungsangst- wenn Alleinsein zum Problem wird, SIRIUS Hundeschule, https://hundeschule-muenchen.info/trennnungsangst-wenn-alleinsein-zum-problem-wird/